woman in the city Juni:
Anke-Luise Lindenau
Sie wohnt ungewöhnlich, passend zu einer ungewöhnlichen Frau mit einem ungewöhnlichen Beruf. Anke-Luise Lindenau inszeniert Häuser, sie wohnt in einem Showroom und ihr Haus steht mitten auf einer
Werft.
Als eine »Kontaktbotschafterin« bezeichnet sie ihre Tätigkeit als Immobilienmaklerin. »Wer mich bucht, hat das qualifizierte Rundumpaket«, sagt die 53jährige. »Vom Wunsch nach einer Immobilie bis
zur neuen Heimat biete ich den Kunden alles«, sagt sie. Die Erfahrung, die richtige Beratung und die richtige Präsentation machen den Unterschied zu ihren Kollegen in dieser Branche aus. In
Kiel ist sie die erste, die das sogenannte »Home-staging« anbietet. Stage heißt Bühne und so werden Immobilien von Anke Luise Lindenau »in Szene« gesetzt. Dieses Konzept hat amerikanische
Wurzeln, dort werden sogar leere, zum Verkauf stehende Häuser von »Bilderbuchfamilien« bewohnt.
Ihre Spezialität ist das Kontakten von Investoren und Verkäufern: Sie kennt jeden, jeder kennt sie, ihr Name öffnet viele Türen. So nahm auch Landesvater Peter Harry Carstensen ihre Dienste
in Anspruch, als er eine Wohnung in Kiel suchte – und mit Anke-Luises Hilfe auch fand.
Auf der Lindenau Werft ist es das erste Privatwohnhaus in Deutschland, das von Anke-Luise Lindenau so hergerichtet wurde, dass sich ein Verkäufer oder Vermieter einer Wohnimmobilie vor Ort in
einem gelebten Haus aussuchen kann, wie er seine Immobilie aufwerten kann. Das Erdgeschoss des Wohnhauses, das die Familie Lindenau auf dem Werftgelände nach dem Krieg bezog, ist inzwischen ein
einziger Showroom. Hier hat die Maklerin bereits in Szene gesetzt, woraus sich Immobilienbesitzer heraussuchen können, was zu dem Haus passt, das sie anzubieten haben. »Die Entscheidung darüber,
ob der Kunden ein Haus kauft oder nicht, fällt in wenigen Sekunden«, ist ihre Erfahrung. Der Preis spiele da eher eine untergeordnete Rolle. Deshalb sei es so wichtig, dem Kunden einen
Eindruck zu vermitteln, wie es in seinem späteren Heim aussehen könnte. »Wenige Menschen haben Fantasie genug, sich eine leere Immobilie eingerichtet vorzustellen«, sagt Anke-Luise Lindenau. Und
ergänzt: »Nicht jeder Zahnarzt oder Kaufmann hat Zeit oder Lust, sich mit Immobilien zu beschäftigen«.
Die Idee, ihr Erdgeschoss in einen großen Showroom zu verwandeln, kam ihr nach der Trennung von ihrem Mann und dem späteren Auszug der beiden Kinder. »Ich lief hier in dem riesigen Haus herum und
fragte mich, was ich mit all den Zimmern anfangen soll.« Dabei kam ihr die Idee, hier zu zeigen, wie Wohnungen und Häuser aussehen können. Denn oft genug hatte sie Kunden Traumimmobilien
gezeigt, »aber der Funke sprang nicht über«. Kaufen oder Mieten sei immer eine Gefühlsentscheidung. „Hier fühle ich mich wohl“, das sei es, worauf es ankomme. Der Kunde habe nur Bruchteile
von Sekunden Entscheidungszeit. »Also muss eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden, um den Kunden in diese Stimmung zu versetzen. Geruch, Wärme, Präsentation und vor allem die Gesprächsführung
sind ein wichtiger Bestandteil. Die Zeiten einer kalten Glühbirne, die von der Decke baumelt und abgestellter Heizung sind vorbei.«, sagt die von ihrem Ansatz überzeugte Frau.
Und in ihrem Haus kann sie zeigen, wie eine Immobilie eingerichtet sein kann: Platz gab es reichlich und Einrichtungsgegenstände aus mehreren Jahrhunderten ebenfalls. Alles kann der Kunde hier
mieten, von der antiken Anrichte bis zu Meyers Universallexikon in 32 Bänden von 1864. Das hat natürlich seinen Preis. Gut investiertes Geld, meint sie, denn: »Für jede 1000 Euro, die man mir für
die Inszenierung zahlt, kann man locker 20000 Euro mehr für die Immobilie erzielen.« Seit 1994 ist sie als Immobilienmaklerin selbständig, weiß genau worauf es ankommt, um ein Immobilienobjekt
„aufzubereiten“ und bestens zu präsentieren.
Vor Ort werden in persönlicher Atmosphäre die Vorstellungen der Kunden beraten. Jede Ecke, jedes Zimmer hat ein Thema: Landhaus, Designer, Mediterran, Küche, Bäder, Bilder, Lampen, Silber. Ihre
Showrooms sind voll mit Sachen, die in Räumen eine behagliche oder schicke Atmosphäre schaffen. Antike Vitrinen können hier ebenso angemietet werden wie Designersofas oder auch ein Flügel. Mit
manchmal wenigen Mitteln wird das zu veräußernde Objekt von Anke-Luise Lindenau eingerichtet, fotografiert und in die entsprechenden Immobilienportale eingegeben.
»Ich komme persönlich mit den ausgewählten Sachen , dekoriere, mache Führungen und gestalte die Verträge.« Anschließend kann das Objekt in ihren Verwaltungsbestand gegeben werden.
Schon der Eingangsbereich ist die wichtige Visitenkarte einer Immobilie. »Ein sauberer Garten mit ein paar Blühpflanzen, eine gepflegte Terrasse, die zum Grillen einlädt, ein Zauberbalkon, schon
ist der erste Eindruck positiv«, meint die Immobilien-Profi. Wenn dann noch die persönlich gesetzten Randbedingungen stimmen, sind alle Parteien zufrieden und ein neues »Zuhause« ist
gefunden. ∑ Dietmar Wagner

